Wer auswandern, im Ausland arbeiten oder eine Aufenthaltserlaubnis beantragen möchte, denkt zuerst an Pass, Arbeitsvertrag und Sprachnachweis. Das Führungszeugnis wirkt daneben fast nebensächlich. Trotzdem gehört es zu den Dokumenten, an denen Anträge am häufigsten hängen bleiben. Eine kanadische, amerikanische oder australische Behörde kann ein deutsches Führungszeugnis nicht prüfen, solange es nicht korrekt übersetzt ist. Umgekehrt gilt dasselbe für ausländische Strafregisterauszüge, die bei deutschen Behörden eingereicht werden.
Dieser Beitrag erklärt, worauf es bei der Übersetzung eines Führungszeugnisses ankommt, was Einwanderungsbehörden erwarten und welche kleinen Fehler große Verzögerungen verursachen.
Was ein Führungszeugnis eigentlich ist
Das Führungszeugnis ist eine amtliche Bescheinigung des Bundesamts für Justiz aus dem Bundeszentralregister. Es bestätigt, ob eine Person strafrechtlich verurteilt wurde. Andere Länder kennen dasselbe Dokument unter anderen Namen. In Österreich heißt es Strafregisterbescheinigung, in der Schweiz Strafregisterauszug, in Frankreich extrait de casier judiciaire, im englischsprachigen Raum police clearance certificate und in Rumänien oder Moldau cazier judiciar. Einen guten Überblick über Inhalt und Arten bietet der Wikipedia-Artikel zum Führungszeugnis.
Genau diese Vielfalt macht die Übersetzung anspruchsvoll. Hinter ähnlichen Begriffen stehen unterschiedliche Rechtssysteme, Behörden und Formate. Wer nur die Sprache beherrscht, aber nicht weiß, wie ein Strafregister funktioniert, macht aus einer präzisen rechtlichen Aussage schnell etwas Ungenaues oder Missverständliches.
Wann eine Übersetzung verlangt wird
Die meisten Menschen brauchen ein übersetztes Führungszeugnis für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis, ein Langzeitvisum, die Einbürgerung, eine Arbeitserlaubnis oder eine Stelle im Bildungs-, Finanz- oder Sicherheitsbereich. Kanada verlangt zum Beispiel ein Polizeizeugnis aus jedem Land, in dem man sich in den letzten zehn Jahren mindestens sechs Monate am Stück aufgehalten hat. Ist das Dokument nicht auf Englisch oder Französisch, muss eine Übersetzung beigefügt werden. Für Deutschland gibt es zusätzlich das Führungszeugnis zur Vorlage bei einer ausländischen Behörde, das häufig mit Apostille angefordert wird.
Anforderungen der wichtigsten Zielländer
| Zielland | Akzeptierte Sprachen | Anforderungen an die Übersetzung |
|---|---|---|
| USA (USCIS) | Englisch | Vollständige Übersetzung mit Bestätigung des Übersetzers über Kompetenz und Richtigkeit |
| Kanada (IRCC) | Englisch oder Französisch | Übersetzung durch zertifizierte Übersetzer oder eidesstattliche Erklärung des Übersetzers |
| Australien (Home Affairs) | Englisch | Übersetzung durch NAATI-akkreditierte Übersetzer bei Antragstellung in Australien |
| Vereinigtes Königreich | Englisch oder Walisisch | Qualifikation, Datum und Kontaktdaten des Übersetzers sowie Bestätigung der Richtigkeit |
| Deutschland und EU | Amtssprache des Landes | Meist beglaubigte Übersetzung, oft mit Apostille auf dem Original |
Warum maschinelle Übersetzung riskant ist
Es ist verlockend, eine einzige Seite schnell durch ein kostenloses Online-Tool zu schicken. Das Problem ist, dass Führungszeugnisse voller juristischer Begriffe stecken, die Maschinen regelmäßig falsch wiedergeben. „Verurteilung“, „Anklage“, „Verwarnung“, „getilgte Eintragung“ oder „keine Eintragung“ haben in jedem Rechtssystem eine genaue Bedeutung. Wird ein Begriff verwechselt, glaubt die Behörde womöglich, Sie hätten einen Eintrag, den es gar nicht gibt, oder hält das Dokument für unvollständig.
Hinzu kommt die Form. Behörden erwarten, dass jedes Element des Originals in der Übersetzung erscheint, also Stempel, Siegel, Unterschriften, Aktenzeichen, ausstellende Stelle und handschriftliche Vermerke. Maschinen ignorieren das. Professionelle Übersetzer kennzeichnen diese Elemente deutlich, zum Beispiel als [Stempel: Bundesamt für Justiz] oder [Unterschrift unleserlich], damit der Sachbearbeiter Zeile für Zeile vergleichen kann.
Vor allem kann eine Maschine keine Bestätigung unterschreiben. Fast jede Einwanderungsbehörde verlangt eine namentlich verantwortliche Person, die Vollständigkeit und Richtigkeit bestätigt. Deshalb setzen Antragsteller auf professionelle Übersetzungsdienste für Rechtsdokumente statt auf ein Dokument, das den ganzen Antrag zurück an den Anfang der Warteschlange schicken kann.
Häufige Fehler, die Anträge verzögern
Der häufigste Fehler ist eine unvollständige Übersetzung. Rückseite, Fußzeile oder Sicherheitshinweise werden weggelassen, weil sie wie Standardtext aussehen. Behörden wollen jedoch alles übersetzt sehen, und eine Teilübersetzung kann wie gar keine Übersetzung behandelt werden.
Der zweite Fehler betrifft die Zeit. Viele Behörden akzeptieren Führungszeugnisse nur, wenn sie höchstens drei bis sechs Monate alt sind. Wer mit der Übersetzung wochenlang wartet, riskiert, dass das Zeugnis abläuft, bevor der Antrag vollständig ist. Beauftragen Sie die Übersetzung daher sofort nach Erhalt des Originals.
Drittens müssen Namen und Daten exakt mit dem Reisepass übereinstimmen. Ein transliterierter Nachname, der um einen Buchstaben abweicht, reicht für eine Rückfrage aus. Gute Übersetzer fragen deshalb nach, wie Ihr Name im Pass geschrieben ist.
Zuletzt wird die Legalisierung oft vergessen. Manche Länder verlangen eine Apostille auf dem Original, andere eine beglaubigte oder vereidigte Übersetzung. Wer die Schritte in der falschen Reihenfolge erledigt, zahlt am Ende doppelt.
So beauftragen Sie die Übersetzung richtig
Prüfen Sie zuerst die genauen Übersetzungsregeln Ihres Ziellandes und Ihres Programms. Schicken Sie dann einen gut lesbaren Farbscan des vollständigen Dokuments, Vorder- und Rückseite, zusammen mit einer Kopie Ihres Passes. Teilen Sie außerdem mit, wo das Dokument eingereicht wird, denn eine Übersetzung für USCIS ist anders formatiert als eine für die kanadische Einwanderungsbehörde.
Geht es um eine Übersetzung ins Englische, lohnt sich ein vereidigter Übersetzer Englisch, der die geforderten Bestätigungsformeln kennt. Enthält Ihr Antrag weitere Unterlagen wie Geburts- oder Heiratsurkunde, sorgt eine gemeinsame Übersetzung aller Dokumente für einheitliche Begriffe und Namensschreibweisen.
Warum sich professionelle Übersetzung lohnt
Ein Führungszeugnis ist kurz, aber seine Wirkung ist groß. Es sagt der Behörde etwas über Ihre Person, und jede Unklarheit führt zu Nachforderungen, die Wochen kosten. Eine korrekt übersetzte Seite ist im Vergleich zu einem abgelehnten oder verzögerten Visum eine kleine Investition.
PoliLingua übersetzt Führungszeugnisse und andere amtliche Dokumente aus und in alle wichtigen Sprachen der Welt. Unsere zertifizierten Übersetzer kennen sowohl die beteiligten Rechtssysteme als auch die Formvorschriften der jeweiligen Behörden. Ob Sie ein einzelnes Zeugnis für ein Arbeitsvisum brauchen oder für den Umzug einer ganzen Familie mehrere Dokumente übersetzen lassen möchten, wir liefern beglaubigte Übersetzungen, die beim ersten Mal akzeptiert werden.